Weder der jahrelanges Einsatz für ein Freies Radio noch der Bürgerentscheid von 2008 (87%) gegen Mediaspree scheinen die Entscheidungsträger nachhaltig zu beeindrucken.

Unter dem Motto “Mediaspree entern” hatten Aktivist/inn/en am vergangenen Wochenende zu einer bunten und kreativen Demonstration aufgerufen. Begleitet wurde das Ganze stilecht von einem (temporären!) Pirat_innenradio. Durch das Radio (und über Twitter) wurde über die Ereignisse auf den vielen Schauplätzen berichtet. Natürlich macht sich ein solcher Informationsknoten zum Ziel derjenigen, die bereits unverhältnismäßig hart mit den Demonstranten umgegangen sind.
Da aber Twitter auf Servern in den fernen USA tiriliert, stürmte die Berliner Polizei ein besetztes Haus im etwas näher gelegenen Friedrichshain. Offenbar nahmen die Ordnungskräfte an, dass sich ebendort der Sender befände. Schließlich war eigens aus Mainz ein Peilwagen der Bundesnetzagentur angereist, um auf den Sonnabend in der fernen Hauptstadt bei (fast schon) Kaiserwetter vergleichsweise ungemütliche Überstunden zu verchillen. Jedenfalls drangen am Nachmittag Uniformierte wie in einem Action-Film aus Hollywood (schon wieder USA) mit dem Rammbock in diverse Wohnungen ein, nahmen alle Anwesenden, ob Bewohner oder Gäste, fest und auf der Straße und im Nachbarhaus gleich noch ein paar Passanten und Mieter dazu -aber von einem Sender nicht der Funken einer Spur - als dann zur Sprache kam, dass Piratensenderei seit 1996 (!) bereits nicht mehr als Straftat sondern lediglich als Ordnungswidrigkeit behandelt werden könne… öhm, da zeigte sich, dass die Uniformierten mal wieder die Uninformierten waren, die Jungs vom Peilwagen mit dem Mainzer Kennzeichen auf dem Zweiten auch nicht besser sehen und darum der Öffentliche Dienst am vergangenen Wochenende konsequenterweise hätte zuhause bleiben sollen.
Doch nein: die Ordnungskräfte mussten ihren so überzogenen wie vermurksten Einsatz mit einer Anzeige gegen die Anwohner krönen: wegen „Gefährlicher Körperverletzung durch Strahlenbelastung“ und „Stromdiebstahl“. Was lernt uns das? Krümme ist überall, Mediaspree hat ziemlich lange Arme - und: Berlin einfach mal kein Freies Radio.



1 Response to “Senderfreies Berlin”